{"id":84,"date":"2020-11-07T22:22:15","date_gmt":"2020-11-07T21:22:15","guid":{"rendered":"https:\/\/lupini-hundeschule.de\/wordpress\/?p=84"},"modified":"2023-04-11T00:13:49","modified_gmt":"2023-04-10T22:13:49","slug":"hund-und-silvester-ein-altbekanntes-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lupini-hundeschule.de\/wordpress\/2020\/11\/07\/hund-und-silvester-ein-altbekanntes-problem\/","title":{"rendered":"Hund und Silvester ein altbekanntes Problem&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p>&nbsp;<br>Ich habe hierzu in Hundeforen, auf der Hundewiese usw. so viele Fragen und unterschiedliche (auch falsche) Antworten geh\u00f6rt und gelesen, da\u00df ich hier allen Rat Suchenden eine umfassende Erkl\u00e4rung geben m\u00f6chte.<br>Ich fange ganz am Anfang an, vom mutigen Typ bis hin zum Paniker. Wer hier keine Antwort findet, darf sich gerne direkt an mich wenden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzliches<\/p>\n\n\n\n<p>Der Welpe hat noch keine Angst vor dem Knallen, weil er sich noch in einer Entwicklungsphase befindet, die ihn Neuem gegen\u00fcber zwar skeptisch, aber dennoch aufgeschlossen sein l\u00e4sst. Er mag sich zwar vor einem Knall erschrecken, wird aber nicht mit der panischen Angst reagieren, die so Viele an ihren Hunden beobachten m\u00fcssen.<br>Diese Phase ist aber irgendwann (je nach Typ zwischen dem 6-12 Monat) abgeschlossen. Hat der Welpe bis dahin keine Erfahrungen mit Knallern gemacht, wird er sp\u00e4ter Angst davor haben.<br>Nun darf man aber nicht dem Irrtum unterliegen, dass der Hund schussfest bleibt, weil er z.B. gerade 8 Monate war, als Sylvester war, und er hatte da keine Angst. Wenn der junge Hund dann ein Jahr lang kein Knallen h\u00f6rt, k\u00f6nnte er dennoch dann Angst bekommen.<br>Man darf auch nicht den Fehler machen, den Hund mit hinaus zu nehmen, weil er ja keine Angst hat. Eine einzige schlechte Erfahrung (und daf\u00fcr reicht auch ein gewaltiger Schreck &#8211; es mu\u00df nicht einmal etwas passieren) reicht aus, dass der Hund sich f\u00fcrs Leben merkt &#8211; knallen ist schlecht.<br>Derjenige, der einen Hund hat, der keine Angst zeigt, solle sich daran erfreuen, dass er diese Tage gut \u00fcbersteht, ihn aber dennoch schonen, damit das so bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Lernphase und auch sp\u00e4ter sollte man nie den Fehler begehen, den Hund zu tr\u00f6sten, wenn er sich erschrickt. Tr\u00f6sten hei\u00dft loben. Lob best\u00e4tigt den Hund in seiner Haltung. Nat\u00fcrlich kann man seinem Hund gut zusprechen; mit ruhiger, tiefer Stimme, die Zuversicht ausstrahlt. Im Gro\u00dfen und Ganzen aber demonstriert man dem Hund am Besten, dass Nix ist, indem man sich so benimmt, als wenn Nix w\u00e4r.<br>Der Hund liest IMMER in seinem Besitzer, wie die aktuelle Lage einzusch\u00e4tzen ist und passt sein Verhalten entsprechend an !! Das gilt auch f\u00fcr andere Bereiche, aber das ist jetzt nicht das Thema\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Wer nun einen Hund hat, der schon richtig Angst hat, nicht nur Nervosit\u00e4t zeigt, einen Hund, der schon stark abhechelt, evtl. aus der Nase trieft, dessen Herz stark pocht, der sich verkriecht, der sollte mit seinem Tierarzt besprechen, welche leichten Beruhigungsmittel in Frage kommen (Alter, Epilepsie, Herzleiden usw. beachten!). Damit meine ich Mittel, die daf\u00fcr sorgen, dass der z.B. .Blutdruck niedriger bleibt. Es sollten einfach nur Ma\u00dfnahmen sein, die dem Hund k\u00f6rperlich hilfreich sind, nicht aber zum Schlaf f\u00fchren.<br>Auch dieser Hund ist am Besten beraten, wenn man ihm nicht in seine Verstecke hinterher krabbelt, um ihn zu streicheln etc., er wird sich den Platz suchen, wo er sich am Sichersten f\u00fchlt. Man sollte ihn ausnahmsweise hinlassen, wohin er will. Es gibt Hunde, die kriechen unters Bett, andere f\u00fchlen sich pl\u00f6tzlich am wohlsten in der Duschkabine, oder im Kleiderschrank\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Wer nun einen Hund hat (wie ich), der so panisch reagiert, dass er durchdreht. kratzt, hechelt, schon leise vor sich hin weint, Teppiche zerlegt oder sonst welche deutlichen Zeichen einer St\u00f6rung zeigt, der sollte seinem Tier vielleicht den Gefallen tun und es \u00fcber Sylvester schlafen schicken. Wichtig ist, hierbei Folgendes unbedingt zu beachten:<br>Erst einmal vorweg: VALIUM ist SCHLECHT! Andere Schlafmittel, die f\u00fcr Menschen gemacht sind, sind schlecht ! Es gibt tats\u00e4chlich Tier\u00e4rzte,-trainer,-experten\u2026,die sagen, man k\u00f6nne dem Hund bedenkenlos eine Valium geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist auch nicht immer unzutreffend. Wenn der Hund in die mittlere Kategorie geh\u00f6rt, kann man, statt leichter Beruhigungsmittel Valium geben. Dem panischen Hund aber ist damit NICHT geholfen.<br>Seine Angstzust\u00e4nde, die damit ausgesch\u00fctteten Hormone sorgen daf\u00fcr, dass er nicht einschl\u00e4ft. Er wird schlapp und matt, doch seine Wahrnehmung funktioniert noch. Er h\u00f6rt nicht nur weiterhin die B\u00f6ller, sondern er registriert auch seinen Zustand. Er kann seinem nat\u00fcrlichen Fluchtverhalten nicht nachkommen und ist nur noch verwirrter und \u00e4ngstlicher. Auch wenn WIR ihm das dann gar nicht mehr ansehen m\u00fcssen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><br>Deshalb: Wer sich entschlie\u00dft, den Hund schlafen zu legen besorgt sich eine Pille vom Tierarzt, je nach Kondition des Hundes, die die Hunde vor dem Fliegen bekommen..<br>Der Hund schl\u00e4ft davon nicht einfach ein, sondern er ist sediert. Seine Wahrnehmung l\u00e4sst nach, sein Atem wird ruhig, die Augen rollen weg, der K\u00f6rper wird schlaff und schwer.<br>Man sollte die Pille verabreichen, lange bevor die Knallerei losgeht. Und wichtig ist es, dem Hund nicht nach und nach mehr zu geben, sich an den Zustand heranzutasten, sondern gleich eine volle Dosis zu verabreichen, die unbedingt mit dem Tierarzt besprochen werden sollte.<br>Es ist wichtig, dass der Hund gleich richtig einschl\u00e4ft und \u201eweg\u201c ist, damit er nicht in den Zustand ger\u00e4t, den ich eben im Zusammenhang mit Valium beschrieben habe. Wenn die ersten Kracher losgehen, sollte er bereits unbek\u00fcmmert eingeschlafen sein.<br>Wer sich zu diesem Schritt entschlie\u00dft, mu\u00df darauf vorbereitet sein, dass der Hund bis zu 30 Stunden nur schlapp sein kann. Das ist sehr beunruhigend, aber nicht so dramatisch, wie es scheint. Der Hund mag sich nicht bewegen, h\u00e4ngt durch, wie ein nasser Sacke, bekommt die Augen kaum auf.<br>Wenn Sylvester gelaufen ist, sollte man ihn hinaustragen an die frische Luft (Sauerstoff bringt den Organismus in Gang), ihn absetzen, ein bisschen rubbeln, an eine Pinkelstelle geleiten und, wenn n\u00f6tig danach wieder reintragen. Am Besten aber st\u00fctzt man ihn und l\u00e4sst ihn selber gehen, dann wird der auch wieder wacher. Wenn er nicht mag, einfach weiter schlafen lassen.<br>Wer diesen Schritt geht, sollte seinen Hund auch ab und zu zum Trinken animieren. 2-3 Tage vorher schon m\u00f6glichst feucht f\u00fcttern, denn er trinkt evtl. bis zu 20 Stunden nicht, dem mu\u00df man ein wenig entgegenwirken. Wenn der Hund n\u00e4mlich \u201eaustrocknet\u201c, kommt der Organismus auch schlecht in Gang.<br>Und man mu\u00df darauf gefasst sein, dass der Hund sich im Schlaf l\u00f6st. Also am Besten eine blaue Plastikt\u00fcte unters K\u00f6rbchen-und nicht b\u00f6se sein !<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"has-accent-color has-text-color wp-block-heading\"><a href=\"http:\/\/www.einhorn-ev.de\/portal\/hund-und-sylvester#comment-106\">Die Alternative&nbsp;<br><\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Ich mu\u00df unbedingt hier meine Erfahrung anbringen,denn ich hoffe damit vielen weiteren Tieren damit einen Gefallen tun zu k\u00f6nnen.<br>Zu einem Jahreswechsel habe ich ein Medikament ausprobiert, welches aus der Humanmedizin kommt. Es handelt sich um Alprazolam.<br>Das ist ein Neuroleptika, welches seinen Einsatz u.a. bei depressiven Patienten mit Panikattacken findet. Es ist wichtig zu wissen, dass dieses Medikament s\u00fcchtig machen kann und unbedingt nur mit Absprache eines Tierarztes genutzt werden sollte. Hunde mit starken Nierenproblemen k\u00f6nnten damit Schwierigkeiten haben, und bei l\u00e4ngerer Anwendung kann es nach Absetzen zu Angstzust\u00e4nden f\u00fchren.<br>Ich male hier gleich den Teufel an die Wand, weil ich unbedingt vermeiden will, dass auf meine Empfehlung bedenkenlos damit umgegangen wird.<br>Alprazolam wird mittlerweile auch von Tiertherapeuten genutzt, um Angst- oder Aggressionsverhalten damit zu behandeln. Hier wird es eingesetzt, um dem Tier die M\u00f6glichkeit einzur\u00e4umen, Erfahrungen zu machen, die sein Verhalten nachhaltig \u00e4ndern k\u00f6nnen, Erfahrungen zu denen es wom\u00f6glich nicht k\u00e4me, da eine zu gro\u00dfe Blockade existiert.<br>Dies ist aber jetzt ein anderes Thema, wer mehr dazu wissen will, kann mich gerne kontaktieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Weshalb ich mich f\u00fcr Alprazolam entschieden habe ist, dass der Hund (oder Katze, etc.) NICHT sediert ist, k\u00f6rperlich v\u00f6llig unbeeintr\u00e4chtigt bleibt (lediglich eine Schl\u00e4frigkeit kann eintreten, doch das ist nicht zu vergleichen mit der k\u00f6rperlichen Schlappheit, wie bei z.B.Valium und Konsorten. Dazu habe ich bereits&nbsp; geschrieben), sondern das Tier bleibt fit. Das ist besonders toll f\u00fcr \u00e4ltere Tiere und jene mit Herzproblemen. ausserdem kann man sich bis hin zur MIT DEM TIERARZT BESPROCHENEN H\u00d6CHSTDOSIERUNG&nbsp; langsam herantasten. Mit kleinen Mengen beginnen und dann nachschlagen, wenn die Wirkung nicht einsetzt. Die Wirkung setzt relativ schnell ein, daher kann man das eigentlich ganz gut beurteilen. Das hat auch den Vorteil, dass dieses Mittel unmittelbar anwendbar ist, also, dann, wenn es gebraucht wird, man mu\u00df nicht Stunden vorher das Tier darauf einstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer schon ein zwei Tage vor Silvester damit beginnen will, sollte sich langsam herantasten, und was ganz wichtig ist: Bei der Gabe \u00fcber mehrere Tage langsam die Dosierung abbauen, damit es nicht zu Entzugserscheinungen kommen kann.<br>Wer in Foren nachforscht, wird Beispiele von Tieren finden, bei denen das geschehen ist. Aber ALLE haben gemeinsam, dass sie \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum mit Alprazolam versorgt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Weiteren kann es dazu f\u00fchren, dass Katzen sich extrem schmusig, Hunde sehr verspielt zeigen, letztere gehorchen dann eventuell auch schlechter, die Tiere sind eben einfach etwas bed\u00f6delt, in lustiger oder netter Stimmung, aber nicht v\u00f6llig stoned\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Soviel zu den Hinweisen. Nun zu meinem Fall: Ich habe drei Hunde; Jerry, der unter extremen Angstzust\u00e4nden leidet, mit dem ersten Anzeichen von Silvester geht es los- Sabbern, Hecheln, Herzrasen, wildes Kratzen am Boden, Jaulen, einfach alles eben.<br>Leia, die mit Angst, aber nicht einer solchen Panik reagiert, sich verkriecht, zittert und manchmal leise jammert. Lando, der hier nicht zur Sache tut, weil dem das alles zum Gl\u00fcck vollkommen egal ist. Der ginge auch um zw\u00f6lfe raus, wenn ich ihn lie\u00dfe\u2026<br>Jerry ist nicht wirklich mein Hund, der war in HH-Altona, mit seinem S\u00f6hnchen Jackopo, der \u00e4hnlich wie Leia reagiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Jerry hat nachmittags und nachts je eine H\u00e4lfte seiner K\u00f6rpergewicht-Tagesdosierung bekommen, Jacko ebenso. Leia hat die H\u00e4lfte ihrer Tagesdosis verteilt, also zweimal ein viertel der Menge bekommen. Lando bekam nichts.<br>Jerry hat sich \u2013 und in der Innenstadt war die H\u00f6lle los- ganz entspannt, aber nicht \u201eplatt\u201c gegeben, Jacko kam um halb zw\u00f6lf mit seinem Spielzeug an.<br>Leia kam zwischendurch mal gucken, blieb aber haupts\u00e4chlich etwas d\u00f6sig in ihrer Box.<br>Alle Drei haben weder angstvoll auf die Knaller reagiert, wohl mal gelauscht, noch haben sie irgendwelches, ungew\u00f6hnliches Verhalten gezeigt. Sie waren entspannt und guter Dinge<br>Leia ging wohl in ihre Kiste, weil es ihr nicht passte, wenn es knallte, aber sie drehte sich furchtlos um und hastete nicht davon. Sie stand da, lauschte, und legte sich eben lieber hin. Immer wenn ich nach ihr sah, lag sie ganz entspannt da. Sie mochte das da draussen nicht, das war deutlich- aber Angst ? Keine Spur.<br>Keine der insgesamt 8 Flanken zitterte, keine Nase triefte, alles war super. Die Hunde hatten am n\u00e4chsten Tag keine motorischen Probleme, noch hat sich ein ungew\u00f6hnliches Verhalten in den Tagen danach gezeigt.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Ich finde es nicht schlimm, meinen Hunden einmal im Jahr Pillen zu geben, wenn ich bedenke, was ich ihnen damit erspare. Nach dieser Erfahrung werde ich es nie wieder anders machen, als wie in diesem Jahr !!<br>Ich habe mich sehr skeptisch auf dieses \u201eExperiment\u201c eingelassen, denn ich habe noch nie einen Hund erlebt, der so panisch ist, wie&nbsp; Jerry. Und ich habe nicht geglaubt, dass es klappt. Ich habe aber auch geschworen, wenn DAS funktioniert, werde ich es in alle Richtungen weitergeben.<br>Das habe ich hiermit getan.<br>Ich rufe regelrecht auf, es damit zu probieren ( Wer extrem \u00e4ngstliche Hunde hat, kann es z.B. bei starkem Gewitter mal testen, um erste Erfahrungen damit zu machen). Aber ich mahne gleichzeitig und abschlie\u00dfend noch mal zu umsichtigen Umgang damit -es ist kein Heilmittel, Angst kann man nicht heilen, das kann man nur therapieren ! Und ein bisschen Angst kann ein Tier auch mal ertragen, also nicht zu jeder Gelegenheit zu den Dingern greifen\u2026<\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;Ich habe hierzu in Hundeforen, auf der Hundewiese usw. so viele Fragen und unterschiedliche (auch falsche) Antworten geh\u00f6rt und gelesen, da\u00df ich hier allen Rat Suchenden eine umfassende Erkl\u00e4rung geben m\u00f6chte.Ich fange ganz am Anfang an, vom mutigen Typ bis hin zum Paniker. 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